Die “Pille danach” jetzt frei erhältlich…

Die “Pille danach” jetzt frei erhältlich…

die pille danach IRezeptfreie „Pille danach“ sollte nicht als Ersatz für ein vertrauensvolles Gespräch mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt angesehen werden
Ein Beschluss der Europäischen Union (EU) in Brüssel wird wohl dazu führen, dass die als „Pille danach“ bekannten Schwangerschafts-Verhütungsmedikamente auch in Deutschland rezeptfrei in der Apotheke gekauft werden können.

Das hat zunächst einmal positive Auswirkungen, weil die Diskussion um aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen verweigerte Hilfeleistung für vergewaltigte Frauen auf diese Weise ihre Brisanz verliert. Ärzte sind dennoch in Sorge. Sie befürchten, dass die „Pille danach“ bei ungeschickter und unsachgemäßer Selbstmedikation immer wieder einmal ihre Wirkung verfehlen könnte.

Statt den Frauen mehr Schutz bei ungewolltem oder unvorhergesehenen ungeschützten Sex zu gewährleisten, könnte die gegenteilige Wirkung eintreten. Mehr Frauen könnten ungewollt schwanger werden, weil sie sich auf den nachträglichen Schutz verließen statt vorzusorgen.
Besonders bei sehr jungen Frauen und Mädchen sei zu befürchten, dass sie auf die Wirkung der „Pille danach“, die sie sich schnell in der Apotheke besorgen könnten, vertrauten, statt verantwortungsbewusste Empfängnisverhütung in Absprache mit kompetenten Frauenärzten und -ärztinnen durchzuführen.
Die Befürworter des rezeptfreien Verkaufs der „Pille danach“ vertrauen darauf, dass die Kundinnen in den Apotheken hinreichend darüber beraten werden würden, wie und wann die Pille eingenommen werden muss, um die optimale Wirkung sicherstellen zu können. In anderen europäischen Ländern werden die Verhütungs-Nachsorge-Präparate schon seit Jahren ohne Vorlage eines ärztlichen Rezepts durch die Apotheker verkauft.
Ein auffälliger Anstieg von Schwangerschaftsabbrüchen wurde in diesen Ländern nicht festgestellt. Allerdings hat Deutschland die Position des Landes mit der geringsten Anzahl von Schwangerschaftsabbrüchen in Europa zu verteidigen.
Eine sinnvolle Hilfe stellt der freie Verkauf der „Pille danach“ sicherlich für solche Frauen dar, die sich ohne eigene Planungsmöglichkeit mit ungeschütztem Sex konfrontiert sehen. Vergewaltigungen kommen leider immer häufiger vor, nachdem Frauen bei Feiern oder in Discotheken mit sogenannten „KO-Tropfen“ betäubt wurden und sich am nächsten Morgen nicht mehr an ihren Peiniger erinnern können.
Wenn solche traumatisierten Gewaltopfer zusätzlich auch noch gezwungen werden, sich für angebliches „unmoralisches“ Fehlverhalten zu rechtfertigen, bevor ihnen die notwendige Hilfe gewährt oder möglicherweise sogar verweigert wird, bedeutet dies eine unzumutbare Härte.
Leider hat die Vergangenheit gezeigt, dass nicht in allen Notaufnahmen einfühlsame Ärzte anzutreffen waren. Eine besonders behutsame Beratung und Behandlung durch eine auch psychologisch kompetente Frauenärztin ist hier notwendig, um die richtigen Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt einleiten zu können. Weil es verschiedene Varianten der „Pille danach“ gibt, die unterschiedliche Wirkungszeiten haben, ist ein Beratungsgespräch auch dann, wenn es von der betroffenen Frau als unangenehm empfunden wird, wichtig.
Kommentar von Dr. Tonja Ameziane:

Hier steht jetzt wie Dr. T. Ameziane zu dem Thema steht. Wir finden es … oder besser so. Ergänzend wäre noch zu erwähnen das…
Bildquelle:© WoGi – Fotolia.com

http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/national/die-pille-kommt-zehn-jahre-danach-article1589695.html